theater tentakel:

die "züricher zeit"

1998 NZZ (zum Abschied aus Zürich - wegen Neuorientierung des Ensembles, Staatstheaterarbeit in Deutschland, Aufbau eines internationalen Netzwerks, und geänderter Subventionspolitik in Zürich)
"Die junge Wienerin avancierte 1995 endgültig zum Stadtgespräch. Seitdem mischte sie die Szene mit furioser Kompromißlosigkeit und einem außerordentlichen Ensemble auf, daß uns Hören und Sehen verging. Am Theaterspektakel vor zwei Jahren zählte ihre Bühnenfassung der Agota-Kristof-Trilogie "Das große Heft" zu den Spitzenleistungen auf internationalem Niveau.
Die Stadt, der das Theater Tentakel mit dem Oleoturm ("Defekt") und mit der später von Christoph Marthaler genützten SEV-Halle ("HawkinsTraum") auch zwei neue Räume schenkte, wird Krassnigg bestenfalls als Gastregisseurin wiedersehen. Wenn sie denn Zeit findet.

1997 NZZ (zu: HawkingsTraum)
"Glücklicherweise ist das Phantasieren nicht nur Männern gestattet. In aller Öffentlichkeit dürfen heute auch Frauen. Und sie tun das laut und galaktisch verkitscht. Auf der Bühne keine wie die junge Wienerin Anna Maria Krassnigg , mit ihrem Theater Tentakel Zürichs Hoffnungsstern. Dieses mal zeigt die Regisseurin, wieviel sie tatsächlich kann, mit Hawkings Traum, für den sie inszenatorische Lösungen findet, die man nicht vegessen möchte. Nicht, wenn in ihrem wundersamen Traumspiel flüsternder Zauber raimundscher Qualität auf schrille Bühnencomics trifft... 

1997- NZZ (zu : DEFEKT -ein Versuch über das Böse)
"Raumtheater: Das Licht filmisch eingesetzt, die Live-Musik, die Spielvorgänge aufreizend, die Regie schauspielerzentriert. Mit den genuinen Mitteln des Theaters eine Szenenfolge zu verschweißen, ist das Talent der 26-jährigen Regisseurin. Krassnigg macht bildstarkes Theater; ihre Stärke ist der atmosphärische Schwelbrand, die glosende nature morte - die Zeichnung einer Familienkonstellation zum Beispiel: Vater, Mutter, Sohn, ausgesetzt in der Weite des blau ausgeleuchteten Raums. Solche Miniaturen brennen auf der Hornhaut.

1996 NZZ (zu: "Das große Heft" -Romantrilogie in zwei Teilen, am Theaterspektakel)
"Ein kongeniales Erlebnis von vitaler Kraft, das das Unmögliche möglich macht in Momenten in denen die intendierte Schärfe von Kristofs Vorlage tatsächlich erreicht wird. Dank jungen Schauspielern wie dem in eine andere Galaxie entschwebten Bernd Rehse und dem suggestiven Jens Ole Schmieder. Krassnigg hat für sie eine ähnlich artifizielle twilight zone kreiert, wie es Kristof gelang, einen Kosmos zu schaffen.

1996 Tagesanzeiger (zu "Geisterbahn")
"Geisterbahn im Bahnhof Stadelhofen, der inszenierte Ausbruch von Gewalt! Die junge Wiener Regisseurin Anna Maria Krassnigg hat zusammen mit 17 Schauspielern einen erstaunlichen Theaterabend geschaffen. Inszenierte Wirklichkeit und realer Alltag liegen so kongruent aufeinander, daß es nicht immer leicht fällt, sich auf der richtigen Seite einzufinden.

1995 Cash (in einem Portrait über das Ensemble)
"die Krassnigg hat das Zürcher Theaterpublikum erstmals im Februar 1995 mit ihrem "Sennentuntschi" richtig aufgewühlt, das sie als Sexmonster über die Bühne der Gessnerallee spuken ließ. Die Kritiker reagierten aufgebracht. Das Stück war ihre Visitenkarte. Als Theaterrevolutionärin will sich die rothaarige Regisseurin dennoch nicht verstanden wissen. Um ihren Ruf als enfant terrible der Zürcher off-Szene weiß sie sehr wohl"

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