stimmen europas
voix d europe / voci d europa / voices of europe / glosy europy
/ európa hangjai
1. europäische mythen sollen auf der bühne neu zur sprache kommen
die aufgabe eines künstlerischen teams, das vom jeweiligen partner benannt wird, und dem projekt entsprechend aus autoren, regisseuren, schauspielern, dramaturgen etc. bestehen kann, ist es, einen mythos eines sprachraums neu zu definieren, und damit einem zeitgenössischen publikum vorzustellen.
im verlauf des gesamtprojektes wollen wir die aktualität berühmter europäischer geschichten auf die probe stellen. ob wir nun zum beispiel phädra oder jeanne, cagliostro oder dante, dostojewskijs idioten oder dem golem neu begegnen, wird in der entstehungs -und recherchenphase gemeinschaftlich von den partnern entwickelt.
2. es wird auf spezifische weise mit der vielsprachigkeit europas umgegangen
auf der gemeinsamen basis der deutschen sprache interessieren
wir uns zunächst besonders für die länder, die an sich schon
mit ihrer zwei - oder - dreisprachigkeit leben müssen oder dürfen,
wie luxemburg, die schweiz, südtirol. diese "ausnahmen" werden
in zukunft in einem zusammenwachsenden europa vorbildhaft und exemplarisch
sein. daher werden wir mit partnern aus diesen ländern konzepte auf der
oben beschriebenen inhaltlichen basis entwickeln, die deutsch und französich,
deutsch und italienisch funktionieren.
d ie form dafür muß aus sich selbst schlüssig sein. es geht
um die entdeckung der besonderen, einzigartigen farbe und ausdrucksmîglichkeit
in einer jeweiligen sprache. das sprachkonzept muß dramaturgisch und
inhaltlich schlüssig und fern von jeder "polyglotten beliebigkeit"
sein. es geht um das vertraute im fremden und das fremde im vertrauten.
3. neue autoren aus den jeweils benannten sprachräumen sollen gehör finden
mit welcher verfahrensweise an die vergegenwärtigung
eines mythos, einer typischen figur oder konstellation eines sprachraums herangegangen
wird, definiert der jeweilige veranstalter. bevorzugt werden aber projekte
integriert, die mit einem zeitgenössischen dramatiker des jeweiligen
sprachraums zusammenarbeiten. auch hier sind unterschiedliche formen des umgangs
mit der sprache möglich. es kann also ein autor sein, der von sich aus
schon in einer sprachkombination deutsch-ungarisch, deutsch-italienisch etc.
arbeitet, oder aber ein gemischtsprachiges autorenteam, ein autor mit einem
übersetzer seines vertrauens, ein autor mit einem regisseur, der sich
in beiden sprachräumen bewegt, ein autor und ein dramaturg etc.
f ür einige projekte sind autorenwettbewerbe in kooperation mit bereits
bestehenden literaturtagen und autorenwerkstätten, sowie auch verlagen
geplant.
4. die stimmen nähern sich ihren jeweiligen europäischen aufführungsorten an
die arbeitsweisen sollen stark prozesshaft sein, und
veränderungen, mutationen während der längerfristigen entstehungsphase,
aber auch noch während der tourneen und gastpiele auf internationaler
ebene zulassen.
v or allem soll mit der zweisprachigkeit in der weise umgegangen werden, daß
der sprachanteil eines projekts sich seinem jeweiligen aufführungsort
"annähert". würde also beispielsweise ein phädra-stoff
im deutschsprachigen raum aufgeführt, wird dieser sprachanteil überwiegen,
umgekehrt in frankreich.
5. das projekt will die stimmen osteuropas lauter vernehmbar machen
es ist eine traurige tatsache und eine, die verändert werden muß, daß wir den historisch engen kontakt (vor allem im bereich der literatur und der sprachen) mit den osteuropäischen nachbarn verloren haben. das projekt ist sehr daran interessiert, diesen kontakt durch das kennenlernen und einbeziehen von autoren und darstellenden künstlern aus dieser region europas ein stück weit wiederherzustellen. auf der ebene des publikums, aber auch im sinn der vielfältigkeit einer europäischen dramatik, sind wir interessiert an den alten und neuen geschichten dieses sprach- und -kulturraums.
6. eine vielstimmige kommunikation im publikum soll angeheizt werden
unsere erfahrungen zeigen, daß vor allem
das theater immer noch die kraft hat, menschen, die sich vorher nicht kannten,
und die nun ein gemeinsames erlebnis, einen "gemeinsamen spielball"
haben, zur kommunikation miteinander zu verführen. solche anlässe
zu schaffen, und das im "vielstimmigen", vielsprachigen europa ist
unser anliegen.
r oberto ciulli, der nicht müde wird, zu betonen, daß das theater
vermutlich der beste ort für internationalen austausch ist, hat den kern
der projektidee einmal unnachahmlich formuliert:
"die nation, die meine kultur ist, ist noch nicht da, aber es wird
sie eines tages geben."
1. europäische mythen sollen auf der
bühne neu zur sprache kommen
2. es wird auf spezifische weise mit der vielsprachigkeit europas
umgegangen
3. neue autoren aus den jeweils benannten sprachräumen sollen
gehör finden
4. die stimmen nähern sich ihren jeweiligen europäischen
aufführungsorten an
5. das projekt will die stimmen osteuropas lauter vernehmbar
machen
6. eine vielstimmige kommunikation im publikum soll angeheizt
werden
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